Skip to main content
Wir crowdfunden eine Yacht! hier geht es zur Startseite

Seewasserentsalzung auf Segelyachten

Frischwasser aus Seewasser bereiten zu können und so unabhängig von der landseitigen Wasserversorgung zu sein - das ermöglicht uns die Seewasserentsalzungsanlage, auch Watermaker genannt.

Bereits auf einem einwöchigen Segeltörn in einem ausgesprochenen Ankerrevier wie Kroatien kann das Wasser, das in die Wassertanks der Yacht passt, knapp werden und man läuft evtl. nur deswegen zwischendurch eine Marina an, weil man die Wasservorräte auffüllen muss.

Auf einer 3-wöchigen Atlantikpassage fassen die Tanks pro Person und Tag gerade noch gut 4 Liter. Natürlich führen wir das eigentliche Trinkwasser in Kanistern mit, aber es wäre doch schön, wenn mehr Frischwasser verfügbar wäre. Und es geht!

Es gibt zwei Verfahren zur Seewaserentsalzung.

Verdampfer

Diese arbeiten nach dem Prinzip der Destillation. Sie werden in der Großschiffahrt eingesetzt und nutzen die Abwärme der Dieselmotoren. Durch eine Ejektorpumpe werden sie evakuiert, sodass der eigentliche Destillationsprozess im Vakuum bei ca. 40-50°C stattfindet.

Die Anlagen haben eine enorme Frischwasserleistung. So erzeugte z.B. der Verdampfer auf dem Containerschiff, auf dem ich als Offiziersassistent gefahren bin, ca. eine Tonne Frischwasser pro Stunde. Dem steht allerdings auch ein enormer Energiebedarf gegenüber. Auf Motorschiffen kann dieser zu einem Großteil aus dem Motorkühlwasser gedeckt werden, lediglich für die Ejektorpumpe ist Strom erforderlich. Auf Segelbooten geht das leider nicht, daher scheidet die Verwendung eines Verdampfers hier aus.

Umkehrosmose

hier wird das Seewasser unter hohem Druck (ca. 60 bar) durch eine semipermeable Membran gepresst. Deren Poren sind so klein, dass sie zwar von Wassermolekülen, nicht aber von Salzmolekülen (und Bakterien und sonstigen Verunreinigungen) passiert werden können.

Das Salz wird also praktisch aus dem Wasser "herausgefiltert". Ergebnis ist eine Wasserqualität, die zwar geschmacklich nicht ganz an das heranreicht, was wir aus dem heimischen Wasserhahn gewohnt sind, sich aber problemlos zum Kochen, Abwaschen, Zähneputzen und für die Körperhygiene eignet.

Flaschen- bzw. Kanisterwasser benötigen wir so also nur noch für die Trinkwasserflasche.

Im Handel ist eine Vielzahl von Geräten erhältlich, die nach diesem Prinzip arbeiten. Die für Yachten üblichen Geräte erzeugen je nach Größe 30-200 Liter Wasser pro Stunde. Normalerweise findet man Watermaker nur auf Eignerschiffen, wenn man eine Yacht chartert, wird man üblicherweise vergeblich danach suchen. Bei uns wird ein Gerät mit 30 oder 60 l/h eingebaut.

Der Stromverbrauch liegt bei 5-7 Wh pro Liter Frischwasser und somit sind diese Geräte natürlich sinnvollerweise mit Anlagen zur Energiegewinnung zu kombinieren.

Der Gebrauch der Geräte ist nicht sonderlich kompliziert, es sind aber bestimmte Wartungsvorschriften zu beachten - insbesondere, wenn der Wassermacher nicht benutzt wird. So ist bei kürzeren Stilllegungen eine Spülung mit Frischwasser erforderlich, bei längeren Außerbetriebnahmen muss zudem das Gerät mit einer speziellen Lösung konserviert werden.

Wasseraufbereitung und -lagerung

...oder was man sonst noch für eine hohe Wasserqualität an Bord einer Segelyacht tun kann:

Verwendung der Tanks

Insbesondere in warmen Revieren wie der Karibik oder dem Mittelmeer im Spätsommer besteht die Gefahr der Verkeimung von Frischwassertanks. Dagegen kann helfen, dass man einen Tank immer ganz leer fährt, bevor man ihn wieder befüllt. Man sollte also möglichst vermeiden, auf einem (längeren) Segeltörn immer wieder den gerade in Gebrauch befindlichen Tank nachzufüllen, insbesondere dann, wenn man das mit Wasser aus dem Landanschluss tut. Besser ist es, einen Tank leer zu fahren, dann auf den anderen Tank (oder einen der anderen Tanks) umzuschalten und den leeren Tank wieder aufzufüllen.

Bei Verwendung eines Watermakers z.B. auf Atlantikpassagen "beißt" sich diese Vorgabe allerdings mit dem Prinzip, immer möglichst alle Tanks voll zu haben, um im Falle eines Versagens des Watermakers möglichst gut bevorratet zu sein. Das Prinzip gilt also eher dort, wo man Wasser (evtl. fragwürdiger Qualität) von Land bezieht.

Trinkwasserzusatz

Bei hohen Temperaturen und insbesondere dann, wenn das Wasser auch mal länger in den Tanks verbleibt (also z.B. wenn das Boot eine Zeitlang nicht genutzt wird, was bei uns praktisch nicht vorkommt), empfiehlt sich die Verwendung von chemischen Trinkwasserzusätzen. Dies sind Biozide z.B. auf Silberbasis, die im Yachthandel erhältlich sind und dem Wasser beim Einfüllen in den Tank in geringen Mengen zugesetzt werden. Sie verhindern sicher ein Verkeimen der Tanks, sind nicht teuer und aufgrund der geringen Konzentrationen gesundheitlich völlig unbedenklich.

Vorfilterung

Gerade auf Segeltörns in warmen und weniger entwickelten Gegenden wie der Karibik, den Kapverden oder Teilen des Mittelmeers ist das Wasser, das in Marinas aus dem Wasserschlauch kommt, oft von zweifelhafter Qualität. Wir verwenden daher beim Befüllen unserer Tanks einen Aktivkohlefilter, den wir in unseren Wasserschlauch einschleifen. Der Filter beseitigt einen Großteil der Verunreinigungen ab einer Partikelgröße von ca. 0,5 Micron.

Eine Filterpatrone kostet ca 20-40 Euro und hält je nach Gebrauch etwa 1-3 Monate, stellt also kaum einen Kostenfaktor dar. So stellen wir sicher, dass das Wasser so sauber wie irgend möglich in unseren Tanks ankommt.

Nachfilterung

Um das Wasser nach der Entnahme aus dem Wassertank auf höchstmögliche Qualität zu bringen, installieren wir einen weiteren Aktivkohlefilter nach der Druckpumpe. Dieser Filter sorgt dafür, dass das Wasser von letzten Verunreinigungen befreit wird und wir so auch auf unserer Segelyacht "Kranenburger" in einer Qualität genießen können, wie wir sie von zu Hause kennen.